Nach Apples Special Event Anfang September steht noch einiges an zum Teil bereits angekündigten Produkten aus, die noch offiziell vorgestellt werden müssen. Jim Dalrymple, ein renommierter Apple-Blogger mit todsicheren Insider-Quellen, bestätigte, dass Apple am 22.10.2013 die nächste Keynote abhalten würde. Was ist also im September passiert, was erwartet uns noch im Oktober?

September

Marketingstrategien – “Unapologetically Plastic”

Die iPhones 5c und 5s sind ja beinahe schon Schnee von gestern (es ist aber gut, dass Samsung nun auch schnell und rein zufälligerweise auch goldene Geräte herstellt), doch wir haben Anfang September einige interessante Dinge gesehen, die auf den ersten Blick eher unscheinbar sein mögen, bei näherer Betrachtung aber von deutlich größerer Bedeutung sind als die Geräte selbst.

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Die Veränderung der Marketingstrategie ist offensichtlich – und sie kommt mit einer zweiseitigen Nachricht: iPhone-Käufer, die nicht das Beste vom Besten benötigen, kaufen nicht mehr das iPhone aus dem letzten Jahr, sie kaufen ein neues Gerät, dessen technischen Komponenten Apple bereits gut kennt. Das 5c ist dabei dennoch weiterhin alles andere als günstig wie es von vielen erwartet wurde, es ist höchstens günstiger.

“We are not in the junk business.” ~Tim Cook

“Wir werden keinen Müll herstellen”, so Tim Cooks klare Ansage im Interview mit Business Insider; diese Nachricht wird vom 5s eindrucksvoll unterstrichen. Während Apple mit dem 5c einerseits verspielter, farbenfroher und etwas weniger teuer wird, die Massen weiter anzieht und in den Android-Markt eingreift, so zeigt es der Industrie auf der anderen Seite, wo es lang geht, und unterstreicht den Luxus-Charakter seiner Produkte mit einem goldenen Handy.

Spannend wird es nächstes Jahr, wenn Ive, Cook und Co. mal wieder vor dem Problem stehen, wie sie ihre Geräte nennen sollen – es steht für mich außer Frage, dass die zweischienige Handylinie fortgeführt werden wird. Nur: Sehen wir dann das iPhone 5c s und das iPhone 6 oder ein iPhone 6s und 6c oder wird das iPhone dem iPad folgen und somit nur noch iPhone c und iPhone s heißen?

Touch ID und die A7/M7-Chips – “Forward Thinking”

Das wohl kontroverseste Feature des 5s ist Touch ID, der Fingerabdruck-Mechanismus im Home-Button, der sowohl zur Passworteingabe im Lockscreen als auch bei Einkäufen im iTunes- und App-Store genutzt werden kann. Vorschnell kamen die NSA-Tweets, vorschnell wird proklamiert, dass der Chaos Computer Club das System so schnell gehackt hätte, kurz, Touch ID wird tragisch missverstanden.

Ja, generell bestehen gewisse Probleme beim Nutzen von Fingerabdrücken als Passwort, neben den datenschutzrechtlichen Implikationen ist wohl am gravierendsten, dass man seinen Fingerabdruck nicht ändern kann – wer ihn einmal besitzt, hat ihn für immer und kann ihn beliebig verwenden. Dass es möglich ist, auch Apples Touch ID-Sensoren zu täuschen, hat der Chaos Computer Club tatsächlich bewiesen; der sicherste Aspekt des Systems wird in der breiten Presse aber weiterhin außer acht gelassen: Der Fingerabdruck ist effektiv nicht das Passwort, er sorgt lediglich dafür, dass ein kleiner, von der Außenwelt abgeschnittener Teil des A7-Chips im iPhone sagt, “OK, mir wurde der richtige Fingerabdruck gezeigt, du darfst eintreten.” Wer eine App per Touch-ID kauft, gibt nicht seinen Fingerabdruck als Passwort ab, sondern der Fingerabdruck gibt das sicher gespeicherte Passwort frei (oder im Fall des Entsperrens die Erlaubnis selbiges zu tun). Das ist ein kleiner, aber überaus bedeutender Unterschied!

Das iPhone 5s wird beworben als Apples “most forward thinking iPhone yet” – Touch ID legt den Grundstein für einen Teil der Zukunft die Apple sieht. Durch die komplette Abriegelung des Fingerabdruckscans auf dem A7 kann nämlich niemand etwas mit dem Fingerabdruck anfangen, der nicht auch das dazugehörige iPhone in seinen Händen hält. Jeder Nutzer kann 1Password (oder iCloud-Keychain…)-generierte Passwörter verwenden, die schwierig zu knacken sind, und, solange man sich sein iPhone nicht klauen lässt ohne es zu merken, hat man wenig zu befürchten – in jedem Fall weniger als mit einem vierstelligen Zahlencode. In ein bis zwei Jahren wird Apple Touch ID für Dritte öffnen und Passwörter über den Fingerabdruck auch in anderen Apps eingeben lassen – unsere online Banking-Passwörter können so kompliziert sein, wie die Banken es erlauben, und es wird keine Qual mehr sein, irgendwelche Sonderzeichen auf dem iPhone zu suchen. In Kombination mit iBeacons braucht das iPhone auch kein NFC, um für mobile Bezahlung oder “Internet-of-Things”-Anwendungen zur Verfügung zu stehen und ist dabei sogar preiswerter als die Konkurrenz.

Den zweiten Grundstein für Apples Zukunft legen die beiden im iPhone 5s verbauten Chips: Der A7 und der M7. Beide Chips bringen nicht im Voraus geleakte [1] und durchaus bahnbrechende Veränderungen mit sich. Mit dem A7 ist Apple mal wieder einen Schritt weiter als die Konkurrenz; es ist der erste 64-Bit Chip in einem Handy und obwohl dieser Schritt nicht zwingend schnellere Geräte bedeuten muss [2], hat Apple ganze Arbeit geleistet:

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Die Entwicklung ist unglaublich und legt erneut den Grundstein für die nun nicht mehr ferne komplett 64-Bit-basierte Zukunft.

Der M7 ist zusätzlich interessant: Er lagert die ehemals vom A6 übernommenen Aufgaben (Gyroskop, Kompass, Beschleunigungssensor) aus. Der Vorteil liegt dabei darin, dass der M7 den Akku weniger belastet und somit konstant die Daten der oben genannten Sensoren sammeln und Apps zur Auswertung zur Verfügung stellen kann. Klingt langweilig, ist aber insofern großartig, als dass es eine komplett neue Kategorie von Fitness-Apps ermöglicht, die Funktionen von spezifischen Drittanbieter Hardware übernehmen können (Fitbit, Jawbone, Nike Fuel Band – Apple’s looking at you…).

Tim Cook hat mehr als einmal deutlich klargestellt, dass “wearable technology” eine interessante Produktkategorie ist und – auch wenn Samsung hier arg vorschnell eine schlechte Kopie eines noch nicht vorhandenen Apple-Geräts auf den Markt gebracht hat – eine “iWatch”, sprich ein Gerät, das sich vermutlich um des Nutzers Handgelenk schlingen würde, scheint im Rahmen des Möglichen. Ein solches Gerät würde zweifelsohne einen M7 beinhalten. Und damit sind wir mittendrin, im Oktober.

Oktober

“Exciting New Product Category”

Während des Q2-Earnings Calls sprach Tim Cook von einer neuen, spannenden Produktkategorie, die Apple für Herbst 2013 und/oder 2014 in Planung hätte – das klingt zunächst einmal interessant, aber was genau können wir erwarten?

Die erste Frage, die sich stellt, ist, was Apple eigentlich als “Product Category” definiert. Nach meiner Vermutung produzieren die Damen und Herren in Cupertino aktuell vor allem in vier Produktkategorien mit verschiedenen Unterkategorien[3]:

  • iPhones
    • 5c und 5s
  • iPads
    • Full-size und mini
  • iPods
    • shuffle
    • nano
    • touch
    • classic
    • (Apple TV)
  • Macs
    • MacBooks (Pro, Air, Retina)
    • iMac
    • Mac mini
    • Mac Pro

Spannend hierbei: Die Apple TV taucht in der iPod Kategorie auf. Gerüchte um einen stärkeren Fokus auf einem Apple TV-ähnlichen Gerät von Seiten Apples bestehen seit Ewigkeiten.

Sollte Apple das anders sehen, könnte man argumentieren, das iPhone 5c sei eine neue Produktkategorie. Glaube ich aber nicht. Auch die Cases, die Apple jetzt wieder als iPhone Accessoires verkauft, sind weder neu noch “exciting” – ich bin davon überzeugt, dass Apple im Laufe des folgenden Jahres eine neue Oberkategorie einführen wird oder zumindest eine der Unterkategorien dramatisch verändern wird. Ob die Apple TV Box endlich ihren Hobby/Intense-Interest-Status verlassen darf oder der iPod nano zur iWatch mutiert, werden die nächsten Monate zeigen. Apples kürzliches Zufügen verschiedener Apple TV Apps lässt auf ersteres schließen, das Interface von “iOS in the Car”, der M7 sowie das Einstellen eines weiteren Nike-Mitarbeiters lassen mich auf einen Fuelband-Pebble-ähnliches Gerät von Apple hoffen und wer weiß, vielleicht sehen wir auch mal wieder eine totale Überraschung bei einer Keynote…

iPads, der Mac Pro und Mavericks

Ich denke niemand bezweifelt, dass wir im Oktober neue iPads für die Weihnachtshochsaison vorgestellt bekommen werden – dazu nur einige kurze Fragen: Sehen wir ein Retina iPad mini? Ich denke, es liegt im Rahmen des Möglichen – vor allem hoffe ich es! Sehen wir Touch ID in den neuen iPads? Auch hier gehe ich davon aus, dass die Antwort ja sein wird, es erscheint jedenfalls logisch.

Der Mac dagegen wirft größere Fragen auf: Sehen wir erstmals ein komplett kostenfreies OS X Update? Trotz rechtlicher Komplikationen wird sich der Preis zumindest weiter gen Null neigen. Sehen wir MacBook Pros mit Touch ID? Das wäre eine sehr aggressiver Schritt seitens Apple, den ich zu diesem Zeitpunkt für eher unwahrscheinlich halte. Und natürlich: Was werden wir für den leistungsstärksten aller Macs, den neuen Mac Pro hinblättern müssen? Definitiv genug… Dalrymple und Apple gaben noch keinen direkten Hinweis darauf, ob Macs Teil des October Events sein würden, doch während Mavericks und der Mac Pro “im Herbst” erscheinen sollen, zitiert Jim nur den iPad erwähnenden Teil des Artikels, was zumindest auffällig erscheint. Sehen wir also unter Umständen noch ein drittes Event? Oder kommen die neuen Macs am Ende heimlich still und leise in den Store?

Ich fiebere dem Weihnachtsquartal entgegen, bin auf neue Produkte gespannt und freue mich darauf, in Zukunft weitere Gedanken hier bei phasedrei mit Euch teilen zu dürfen.

[s∂]


  1. Während die Details, die in der chinesischen Zulieferkette einfach auszufiltern sind (Design…), immer leaken werden, funktioniert Apples “doubling down on secrecy” im eigenen Hause wie eine eins!  ↩
  2. Ceteris paribus, läuft 64-Bit Gefahr, gar langsamer zu sein als 32-Bit.  ↩
  3. Normalerweise liebe ich Apple für Detailverliebtheit und prinzipiell halte ich seine Produktnamen für nicht immer perfekt aber doch bedeutend besser als die der Konkurrenz (wisst ihr noch, das Nokia 3210 oder das HP Compaq nc6400? Marketinggeniestreiche!), aber momentan ist es ein Chaos – die iPhone Modelle werden neuerdings mit kleinem “c”/“s” beworben; eine logische Erklärung hierfür lieferte John Gruber: “S5”, ein wahrscheinlicher Modellname für Samsung, und “5S” sehen sich – je nach Schriftart und auf den ersten Blick – zum Verwechseln ähnlich, “S5” und “5s” sind dagegen leicht zu unterscheiden. Die iPod Namen wurden außerdem schon immer klein geschrieben, sodass es Sinn ergibt, auch das mini des iPads klein zu schreiben; für fragwürdig halte ich dagegen wiederum die Schreibung des Mac minis und Mac Pros, da hier zwei Namen aus der iPod/iPad und Mac Linie aufeinander treffen…  ↩