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Dieser Artikel fällt mir wahrlich nicht leicht. Ich habe mich auf den Balkon zurückgezogen und genieße im Dunkel der sternenklaren Nacht ein Gläschen Wein. Alle Programme sind geschlossen, nichts kann mich ablenken. Ich will möglichst vieles aufschreiben, viel zu viele Gedanken zu diesem Thema sind in meinem Kopf.

Steve Jobs, Gründer und bis vor kurzem Geschäftsführer von Apple, ist am 5. Oktober 2011 nach jahrelangem Kampf gegen seinen Bauchspeicheldrüsenkrebs im Alter von gerade einmal 56 Jahren verstorben. Es wäre ein Leichtes für mich, in nun „noch mal eben“ zu loben und einen klassischen Nachruf zu schreiben. Es wäre aber genauso subjektiv und unvollständig, wie die Sprüche der Applegegner und -hasser, die unter die Gürtellinie gehen (und bei denen ich, so sie ernst gemeint sind, wirklich keinen Spaß verstehe).

Mir ist niemand außer Steve Jobs bekannt, der aus einem Unternehmen flog, nur um kurze Zeit danach aufgrund vieler neuer Ideen und neuer Produkte für sage und schreibe 400 Millionen US-Dollar wieder „eingekauft“ zu werden. Korrigiert mich, aber die Geschichte über den Fall und erneuten Aufstieg von Steve Jobs ist soweit ich weiß einzigartig. Und das aus gutem Grund: Er war es, der die guten – wenn nicht besten – Ideen (für Apple) hatte. Einen kurzen, aber lesenswerten Einblick in die Firmengeschichte von Apple bekommt man in diesem Spiegel-Artikel.

Viele, die mich kennen, wissen: Ich finde Apple mehr als nur großartig. Nichtsdestotrotz attestiere ich mir genügend Objektivität und Weitblick, um ein bisschen mehr darauf eingehen zu können, wieso Steve Jobs die Welt nun bereichert hat. Seien wir ehrlich: Natürlich (strike) Wahrscheinlich hätten wir es auch ohne Steve Jobs und Apple technologisch gesehen so weit gebracht. Die Frage ist: Wann. Und viel mehr: Wie hätte das ausgesehen?

Apple hat es in etwas mehr als einer Dekade geschafft, die Technologiewelt immer und immer wieder zu revolutionieren. Es geht hierbei nicht um die Anzahl der Erfindungen (stolze 317 Patente lauten auf Steven Paul Jobs), sondern darum, dass eine Vielzahl an Technologien für eine breite Masse greifbar gemacht wurde. Manch einer wird das müde belächeln, doch man sollte mal bedenken:

Der Mac revolutionierte ab 1984 die Computerbranche. Steve Jobs und das Macintosh-Team schafften es, einen Computer zu bauen den nicht nur Experten bedienen konnten. Kurz nach der Jahrtausendwende kam der iPod und stellte Unterhaltungselektronik und die Musikindustrie gleichermaßen auf den Kopf. Der iTunes Store, damals noch als iTunes Music Store bekannt, revolutionierte die Art, wie wir Medien erwerben. Das iPad machte Tablets für Viele interessant, aus unterschiedlichsten Gründen.

Das iPhone, welches im Jahr 2007 in der ersten Version erschien, veränderte viel mehr: Jederzeit überall online sein – vor einigen Jahren noch uninteressant, heute sind wir froh, wenn wir immer sofort über alles informiert sein können. Smartphones waren etwas für IT-affine Menschen und Businessleute, heute haben 5% aller Handynutzer ein iPhone, durch alle Gesellschaftsschichten hinweg. Touchscreens funktionieren dank verbesserter Technologien unglaublich gut und zuverlässig. Ich könnte diese Liste noch ein bisschen fortsetzen, aber dieser Abschnitt soll nur einen Teil meines Artikels ausmachen.

Sein Gespür für Design, Usability und vor allem das, was wegzulassen ist, waren und sind bis heute das Fundament der Unternehmensstrategie von Apple und werden es auch sicher weiterhin bleiben.

Das schreibt Jan Willhaus, den ich persönlich kenne und dessen Artikel ich sehr schätze, in seinem Blogbeitrag von heute – der übrigens zum Zeitpunkt dieses Artikels der einzige Inhalt seiner Webseite ist. Ich stimme ihm voll und ganz zu. Vor allem die Wichtigkeit des Minimalismus wurde mir in den letzten Jahren sehr deutlich. Doch dazu werde ich zu gegebener Zeit einen eigenen Artikel verfassen.

Steve Jobs und Apple haben viele Industrien technologisch vorangebracht. Doch nicht nur das: Teile der Unternehmensphilosophie werden vor allem von kleinen und mittleren Unternehmen gerne übernommen.

Sometimes life hits you in the head with a brick. Don’t lose faith. I’m convinced that the only thing that kept me going was that I loved what I did. You’ve got to find what you love. And that is as true for your work as it is for your lovers. Your work is going to fill a large part of your life, and the only way to be truly satisfied is to do what you believe is great work. And the only way to do great work is to love what you do. If you haven’t found it yet, keep looking. Don’t settle. As with all matters of the heart, you’ll know when you find it. And, like any great relationship, it just gets better and better as the years roll on. So keep looking until you find it. Don’t settle.

Ein Zitat aus der unglaublich emotionalen Commencement Speech, die Steve Jobs an der Stanford University im Jahre 2005 gehalten hat. Ich rate jedem, der sie nicht gehört oder gesehen hat, sich 15 Minuten Zeit zu nehmen – sie sind gut investiert:

Wer des Englischen nicht so mächtig ist, findet eine vom ZDF übersetzte Version hier. Doch zurück zu oben genanntem Zitat oder vielmehr einem kurzen Auszug daraus:

And the only way to do great work is to love what you do. If you haven’t found it yet, keep looking. Don’t settle. As with all matters of the heart, you’ll know when you find it.

Vor einiger Zeit erst verstand ich, dass es wichtiger ist, seinen Job zu lieben, als damit viel Geld zu verdienen. Ich erkannte, dass es der richtige Weg ist, sich am Anfang durchzukämpfen, wenn man nur überzeugt ist, das Richtige zu tun. Mit den richtigen Menschen zusammenzuarbeiten. Aus Überzeugung, aus Leidenschaft. Ich kann mit ruhigem Gewissen sagen, dass ich die meiste Zeit mit einem lächeln aufstehe und mich auf die Arbeit freue, und das seit ich den für mich richtigen Job gefunden habe. Natürlich muss ich mein Unternehmen und damit auch mich als Person immer weiterentwickeln; nicht vergessen: Stillstand ist Rückschritt. Und auch wenn ich nicht immer hundertprozentig weiß, was ich will – ich weiß sehr wohl, was ich nicht will. Doch auch diesen Zielen, den Do’s und Don’t, der Unternehmensphilosophie und meinen Überzeugungen will ich einen weiteren Artikel widmen.

In einer ähnlichen Situation befand sich auch Federico Viticci, der Autor des englischsprachigen Blogs MacStories, das ich sehr schätze und euch hiermit empfehlen möchte. Er schreibt:

Three years ago, I didn’t know what to do with my life. University wasn’t really for me, and I had just been fired from a job I didn’t like anyway. As I stood for weeks at a point where I needed to figure out how to survive without going back to my parents asking for help, it hit me: I could try writing about Apple for a few months and maybe someone was going to like the things I had to say and maybe I could make a living out of that. I decided I was going to do what I always loved: discussing technology.

[…]

I thank Steve Jobs for creating products that let me stay up at 5 am, writing. I thank Steve Jobs because he was right: the only way to do great work is to do what you love. And I know I am.

Steve Jobs war eine außergewöhnliche Persönlichkeit; von vielen verehrt, von vielen verhasst. Ich bewundere es sehr, dass er sich trotz seiner Krebsdiagnose im Jahre 2004 weiterhin für Apple aufopferte. Vielleicht hätte er viel früher die Reißleine ziehen sollen und so noch etwas länger unter uns weilen können. Vielleicht hätte es aber auch nichts geändert. Wir werden es nie erfahren, aber eins ist sicher: Es wäre für ihn als Person, abgesehen von der Gesundheit, die falsche Entscheidung gewesen.

Sein Tod mag voraussehbar gewesen sein – und trotzdem ein Schock. Er hat mich beruflich wie auch persönlich stark geprägt und ich bedaure es zutiefst, dass seine Zeit nun schon gekommen war.

Vielen Dank, Steve! Requiescat in pace.

Ein kurzes Post Scriptum: Die Jobs-Biografie, welche er selbst autorisiert hat, wird nun voraussichtlich bereits im Oktober verfügbar sein, kaufbar auf englisch und deutsch.

Weitere Links, die ich euch nahe legen möchte:

  • My Neighbor, Steve Jobs von Lisen Stromberg.
  • Eine sehr ausführliche Ansammlung an Reaktionen hat MacRumors zusammengetragen. Der Spiegel übersetzte einen Teil davon.
  • Torsten hat einen kurzen Text geschrieben und einige Videos eingebunden.
  • Steve Jobs spricht bzw. vertont den ersten Werbespot aus der „Think Different“-Kampagne.
  • Ein Bild zeigt einen Regenbogen, der kurz nach dem Tod von Steve Jobs über dem Apple Campus zu sehen war.
  • Remember when Steve Jobs prank-called Starbucks?
Ich danke jedem, der diesen Artikel komplett gelesen hat, von ganzem Herzen. Über den ein oder anderen, gerne auch ausführlichen Kommentar, würde ich mich sehr freuen.